Adventskränze: So einfach geht’s selbstgemacht

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Ob Schwiegeroma, Onkel oder Eltern: Für viele in Deutschland steht der Verwandtenbesuch an. Zugegeben, dieses Jahr sieht das etwas anders aus als sonst. Für manche bedeutet die Großfamilie Stress, für andere Besinnlichkeit. So oder so gilt: In Zeiten von Corona ist das Konzept mit Vorsicht zu genießen. Wer allerdings mit Verwandten in einem Haushalt lebt, diese pflegt oder aus anderen Gründen gerade den Kontakt nicht zur Sicherheit vermeiden muss, könnte die Zeit jetzt nutzen, ihnen eine kleine Freude zu machen: Einen selbstgebundenen Adventskranz oder ein Gesteck.

Bräuche und Riten

Heutzutage assoziieren wir das dekorative Tannengrün, egal ob als Baum oder Zweige, stark mit dem Christentum. Dabei werden Bäume bereits im Mithraismus, einer Verehrung von Mithras, seit dem 1. Jh. n. Chr. zur Wintersonnenwende geschmückt.

Es galt als heidnische Tradition, in der ärmere Teile der Bevölkerungen mit Zweigen dekorierten, Reiche dagegen mit ganzen Bäumen.

Bis in Luthers Zeit wurde geringschätzig seitens der Kirche auf die Baumtradition herabgeschaut: Sie galt als heidnische Tradition, in der ärmere Teile der Bevölkerungen mit Zweigen dekorierten, Reiche dagegen mit ganzen Bäumen.

Ein Gesteck können wir also aus unterschiedlichen Gründen bauen: Seien es kulturell geprägte Ideen, aufgrund einer breitgefächerten Palette an Religionen oder einfach wegen der Freude an winterlichem Blattwerk und Handwerken. So einfach geht es:

Materialübersicht

  • Schere
  • Pappe
  • Draht
  • Grünzeug nach Wahl
  • Dekoration
  • Beleuchtung

1. Gerüst vorbereiten

Isabel Schmiedel Schlaufe aus Pappe, verbunden mit Draht.

Diese Anleitung zielt darauf ab, möglichst freundlich für den Einstieg zu sein. Sie ist einfach und schnell. Dementsprechend arbeiten wir mit einer kleinen Hilfestellung: Einem Gerüst. Das bastelt ihr euch, indem ihr einen Streifen von der Pappe abschneidet und zu einem Ring formt. Hierzu verseht ihr beide Ende des Streifens mit einem Loch und verbindet sie anschließend mit etwas von dem Draht.

Am besten nehmt ihr hierfür Bindedraht zum Blumenbinden. Es geht allerdings auch jeder andere Draht, solange er dick und fest genug ist, um die Bestandteile des Kranzes zu tragen.

2. Mit Grün bestücken

Anschließend nehmt ihr euer Grünzeug zur Hand. Ihr braucht insgesamt ungefähr zwei Hände voll für einen Kranz mit gewohnter durchschnittlicher Größe. Das Grün könnt ihr euch entweder im Wald, der Umgebung, in manchen Fällen im Garten oder in einer Blumenhandlung besorgen. Eine Auswahl von möglichen langsamtrocknenden Zweigen folgt:

  • Tanne (ein echter Allstar unter den Gestecken. Den Klassiker gibt es in verschiedenen Farbtönen von dunkelgrün bis fast schon türkis, je nach Art.)
  • Thuja (auch Lebensbaum genannt. Ein Zypressengewächs. Duftet stark nach Nadelbaum. Ist bei der Anpflanzung als Randbemerkung übrigens hier in Deutschland nicht der Artenvielfalt und dem Insektenschutz zuträglich.)
  • Eibe (Vorsicht giftig, außerdem steht sie unter Naturschutz. Also nur verwenden, wenn keine Haustiere oder Kinder im Haushalt leben und wenn ihr Zugriff auf die Zweige durch Privatbesitz habt.)
  • Fichte (Wunderschöne Zweige mit markantem Geruch, findet auch als Heilpflanze Verwendung. Leider genau wie Kiefern durch den Klimawandel bedroht.)
  • Kiefer (Bitte dekoriere diese Zweige nicht mit Zähnen, danke.)
  • Buchs (Gut, die Bestände wurden durch den Buchsbaumzünsler durchaus verringert. Der Duft frischbeschnittener Zweige lockt übrigens die Schädlinge an. Falls ihr dennoch Buchs verwenden wollt: Sieht hübsch aus, viel Spaß. Buchs wurde zudem oft als Substitution von Palmwedeln oder Lorbeerzweigen in unterschiedlichen, mitunter auch christlichen, Ritualen verwendet.)
  • Ilex (Hier gilt auch wieder: Diese Pflanze steht unter Naturschutz. Also wenn ihr ihn erntet, dann bitte nur, falls er zufällig auf Terrasse, Balkon oder Garten wächst. Die Pflanze, auch Stechpalme (engl. ‘Holly’) oder passenderweise Winterbeere genannt, ist traditionell eng mit dem Winter und kulturellen Bräuchen verbunden. Sie gilt als Symbol für Schutz vor schlechten Omen und als Hoffnungsträger durch ihr Immergrün mit leuchtend-roten Beeren.)

Wenn ihr euer Grün beisammen habt, könnt ihr es auf ungefähr 10 bis 20 Zentimeter lange Zweige schneiden und diese einzeln oder in Paaren mit Draht um den Ring herum festbinden. Festgebunden werden Zweige am Anfang des Stiels.

Zweig festgebunden am Ring

3. Die nächste Runde rückwärts-wärts-wärts

Dreht den Kranz, nachdem ihr die erste Schicht befestigt habt, um und schaut euch an, wo noch kahle Stellen sind. Dann dreht ihn wieder richtig rum und legt ihn auf eine Unterlage oder einen Teller. Wenn ihr faul oder nennen wir es “zeiteffizient” seid, könnt ihr die zweite Schicht Zweige einfach nach Augenmaß lose reinstecken. Macht das überall dort, wo es euch noch zu licht erscheint.

Falls ihr den Kranz noch weit transportieren wollt oder ihn aufhängen wollt, befestigt die zweite Schicht Zweige auch mit Draht, genau wie die erste.

Tipp: Durch das Trimmen auf die passende Länge, habt ihr höchstwahrscheinlich ein paar untere Hälften von Zweigen, die keine Spitze haben. Diese sehen nicht ganz so hübsch aus wie die mit Zweigspitzen. Wenn ihr diese in der zweiten Schicht, die weiter unten ist, versteckt, fallen die fehlenden Spitzen weniger auf!

Erste Schicht: Bisher noch ein Kahlschlag …

4. Volumen und Textur

Wenn ihr dem Kranz mehr Volumen geben möchten, könnt ihr ihn jenseits der ersten zwei Schichten noch etwas mehr befüllen, je nach Geschmack. Durch unterschiedliche Arten von Zweigen, möchtet ihr vielleicht verschiedene Texturen ins Spiel bringen. Eine Kombination aus matten und glänzenden und großblättrigen und kleinblättrigen Zweigen lässt den Kranz vielseitiger und lebendiger wirken.

Isabel Schmiedel Kombination aus Texturen führt zu unterschiedlicher Lichtreflexion, wodurch der Kranz facettenreicher wirkt.

5. Dekoration und Farbwahl

Fast geschafft. Anschließend klatscht ihr einfach die Dekoration drauf. Ende!

Okay, gut, hier ein paar Tipps und Ideen:

Besonders schön wirken Komplementärkontraste in Kränzen. Das Grün der Zweige lässt sich dementsprechend gut mit warmen Rottönen kombinieren.

Isabel Schmiedel Komplementäre Farbwahl

Oder ihr probiert es mal mit einer triadischen Farbwahl. In diesem Fall wären das Blaugrün (Zweige), Gelborange (oder Gold!) und Rotviolett (manche Beeren oder dunkelrote Weihnachtskugeln).

Isabel Schmiedel Triadische Farbwahl

Monochrom ginge natürlich auch. Hierzu können beispielsweise die Grüntöne der Zweige mit Silber und anderen Grüntönen kombiniert werden.

Isabel Schmiedel Monochrome Farbwahl

6. Was fliegt noch im Haus rum?

So, die Farbwahl ist geklärt. Dann bleibt nur noch die Frage: Womit dekorieren? Nehmt einfach, was ihr im Haus findet. Mit Schnüren oder Bändern könnt ihr Schleifen binden, aus Papier könnt ihr Formen ausschneiden oder ihr verwendet Nüsse, Süßigkeiten oder alte rumfliegende Weihnachtsdeko und Glöckchen.

Wenn ihr nochmal in die Botanik rauswollt, könnt ihr beispielsweise mit roten Beeren wie Scheinbeeren, Hagebutten oder Weißdorn dekorieren.

Kranz mit Beeren

7. Licht an!

Zum Schluss fehlt nur noch die Beleuchtung. Ihr könnt kleine Lichterketten einarbeiten oder klassisch mit Kerzen arbeiten. Pluspunkte für Bienenwachskerzen: weniger karzinogen und ohne paraffin. (Außerdem duften sie herrlich!)

Isabel Schmiedel Zwischen Kitsch, Kult und Kirche: Das Gesteck

Und fertig ist er: Euer winterlicher Kranz. Zum Verschenken oder Selbstbehalten.

Frohen ersten Advent oder eine frohe Winterzeit!

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