Einfache Porträtstudien Teil 1: Materialien

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Porträtstudien. Eine effiziente und spaßige Zeichenübung zur Schulung von Anatomie. Es geht um das Spiel zwischen Licht und Schatten: Wie bilden sich Formen und Flächen aus simplen Strichen, die wiederum Gesichter ergeben?

Porträtbeispiele. Man sieht unterschiedliche Menschen illustriert auf einem roten Untergrund. Die Zeichnungen wurde mit wenigen Strichen mit Hilfe eines digitalen Zeichentablets gezeichnet. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Verschiedene Porträtbeispiele

In dieser Artikelreihe stell ich euch ein paar Techniken und Ansätze vor. Kurz vorweg: Die Materialwahl ist nebensächlich. Hier sind ein paar Alternativen. Natürlich deckt das nicht alle verfügbaren Materialien ab. Vielmehr wird hier im ersten Artikel Equipment vorgestellt, welches geringe Anschaffungskosten hat oder sogar in den meisten Fällen bereits im Haushalt zu finden ist. Die Übersicht dient als Einstieg und zur Orientierung.

Bleistifte

Sechs verschiedene Bleistifte mit unterschiedlichen Stärken von 7B über 3B, 2B, B, HB bis hin zu 4H. Der Härtegrad unterscheidet sich also. Die Bleistifte können zum Zeichnen verwendet werden. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Bleistiftstärken

Der große Vorteil von Bleistiften: Die meisten haben sie eh zu Hause. Wir sind den grundlegenden Umgang damit gewohnt. Der Großteil von uns kennt sie sogar aus dem Kunstunterricht.

Würfel mal auf Stärke

Bleistifte haben verschiedene Stärken (und Schwächen, ha). Harte Werte sind mit H wie “hard” gekennzeichnet, weiche mit B wie “black”. Mit harten Stärken lassen sich präzise, helle Linien zeichnen. Sie sind gut für Schraffuren geeignet, bilden allerdings keine tiefen Kontraste ab. Weiche Stärken sind kräftiger.

Unter Druck

Ein Bleistift liegt auf einem gelben Notizblock. Auf dem Blatt Papier ist ein Helligkeitsverlauf von dunkel zu hell zu sehen. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Unterschiedlicher Druck führt zu einem Helligkeitsverlauf.

Durch unterschiedlich starken Druck lassen sich viele verschiedene Helligkeitsstufen abbilden. Vorsicht allerdings: Weiche Bleistifte schmieren leicht. Manche nutzen diese Eigenschaft bewusst, um weichere Übergänge zu schaffen, andere regulieren die Übergänge allein über Druck. Dritte ärgern sich, dass ständig alles verschmiert.
Tipp: Da hilft es, wenn man einfach ein Blatt oder Tuch unter die Hand legt.

Ein Bleistift reicht

Bei vielen Werbegeschenkbleistiften und Ähnlichem fehlt eine Angabe der Stärke. In den meisten Fällen handelt es sich dann einfach um einen HB-Bleistift, der neutrale Mittelwert aus hart und weich. Zum Einstieg reicht ein einfacher Bleistift absolut und man braucht keine große Palette mit verschiedenen Stärken, keine Sorge.

Buntstifte

Ein Haufen unterschiedlich gefärbter Buntstifte. Sie sind unterschiedlich groß und klein, dick und dünn und von diversen Marken. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Viele, viele bunte Buntstifte

Buntstifte sind das gleiche in grün. Und rot, gelb, […] – das Prinzip ist klar. Tatsächlich fallen unter den Begriff Buntstifte allerdings ein Haufen verschiedener Stifte. Gemeinsam haben sie nur, dass es sich um einen farbigen Stift mit einer Mine handelt, die meist von Holz umkleidet ist. Das Material ist da oft eher zweitrangig. Es gibt sowohl wasservermalbare als auch wasserfeste Buntstifte, sowie welche auf Ölbasis. Die Pigmente, also die Farbpartikel, werden hierbei zusammen mit Bindemitteln in eine Minenform gepresst.

Warum heißt der Buntstift “Buntstift”?

Funfact: Wir nennen Buntstifte heute übrigens Buntstifte, weil es zu einer Ausdifferenzierung im Gebrauch und Marketing der Stifte kam. Während man bei professionellen Stiften meist nach den Materialkomponenten differenziert (beispielsweise Aquarellstifte, Pastellstifte etc) war im alltäglichen Gebrauch ein anderes Kriterien relevanter: “Watt für Farben hamse denn im Anjebot?“. Diese Stifte nannte man früher entsprechend einfach Farbstifte. Der Kindermund hat dann daraus das simplere “Buntstifte” gemacht, was sich bis heute durchgesetzt hat.

Fineliner und Filzstifte

Eine bunte Palette unterschiedlicher Filzstifte liegt im Bild verteilt. Daneben liegt ein Blatt, auf dem die Filzstiftlinien gezeichnet wurden. Es gibt ein paar Linien, Schraffuren und Kreisel und gekräuselte Linien. Die Linien sind auch unterschiedlich gefärbt, unterschiedlich dick oder dünn. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Eine Auswahl von Filzstiften

Ich war als Kind verwirrt, warum Filzstifte gar nicht filzig sind, sondern meist glattes Plastik in grellbunten Farben. Bis ich solange an einem leeren Filzstift mit einer Schere rumgedoktort habe, bis ich ein Plastikröhrchen gefüllt mit “bunter Watte”, wie ich dachte, im Inneren gefunden habe.

Der Name Filzstifte entsteht also aus den filzigen Fasern, die mit farbtragender Substanz wie beispielsweise Tinte, Tusche oder pigmentiertem Alkohol befüllt werden und aus der meist aus komprimierten Fasern bestehenden Spitze.

Klare Linie

Filzstifte und Fineliner eignen sich entsprechend ihrer dicken, vollen Farbkraft besonders gut für Linien. Mit dünneren Finelinern können auch ebenso wie mit Bleistiften oder Buntstiften Schraffuren erstellt werden, um Schattierungen darzustellen.

Übergänge mit Filzstift

Übergang zweier Farben in einem Farbgradient. Man sieht einen Verlauf von rot nach gelb. Zwei Marker liegen weiter oben. Der eine ist rot, der andere ist gelb. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Übergang zweier Farben in einem Farbverlauf

Weiche Übergänge sind allerdings mit Filzstiften eine Herausforderung, da sie sehr opak sind, also eine hohe Deckkraft haben und weniger transparent sind. Rundungsweise kann man sagen: “Dafür gibt es bessere Materialien”. Wenn ihr aber auf Biegen und Brechen Übergänge mit Filzstiften schaffen wollt, weil das immerhin Stifte sind, die gut zum Einstieg sind, und weil die meisten von uns eh irgendwelche alten Filzstifte rumfliegen haben, geht das natürlich auch. Und zwar so:

Wassertechnik

Ihr könnt einerseits ein winziges bisschen Wasser an die Spitze des Filzstiftes geben. Dadurch wird der Stift für eine kleine Weile durchscheinend, dann blasser und schließlich kehrt die eigentliche Farbe, wenn das Wasser aus der Spitze abgebaut ist, durchs Vermalen wieder zurück. Dadurch könnt ihr kurze Übergänge und weniger gesättigte, hellere Farben erschaffen.

Stift-an-Stift-Technik

Zwei Stiftspitzen von zwei Pinselstiften, die gegeneinander gedrückt werden, um einen Gradient aus Farben zu erstellen. Die linke Spitze hat eine gelbe Farbe und die rechte Spitze eine rote. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Wenn das ein Kunstmuseum wäre, wäre der Titel bestimmt “Kuss zweier (Farb)welten”

Wenn ihr Farben mischen wollt, könnt ihr an einen helleren Filzstift für sehr kurze Zeit einen dunkleren Filzstift halten. Zunächst malt der Stift entsprechend dunkel, dann entsteht der Mischton aus den beiden Farben und schließlich kehrt die ursprüngliche Farbe des helleren Stiftes zurück. Damit könnt ihr in eingeschränkter Form auch bei Filzstiften weiche Übergänge schaffen.

Sowas von verblendet

Dieser Prozess des ineinander Überblenden, das Mischen von Farben in diesem Kontext wird oft auch einfach Blending oder Blenden bezeichnet, ein Anglizismus, der sich dem Wort (to) blend, mischen, entlehnt.

Marker

Einige Marker mit geöffneten Kappen. Die Marker sind von verschiedenen Marken und haben unterschiedlich feine, grobe und flexible Spitzen. Die Stifte haben unterschiedliche Farben: rot, grün, orange, gelb und blau. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Verschiedene Marker mit unterschiedlichen Spitzen

Marker sind technisch gesehen auch einfach Filzstifte. Meist sind sie ebenso auf Wasser- oder Alkoholbasis. Allerdings enthält das Wort Marker meist eine Konnotation von einer etwas breiteren oder auch flexibleren Spitze und wird auch mit einer höheren Qualität oder einfacheren Verblendbarkeit assoziiert.

Das Fila, Ed Hardy und Versace der Stiftwelt

Das geht sogar so weit, dass sich rund um Marker oft ein Statusobjektkult entwickelt hat, in dem einige prominente Marken glorifiziert werden und teilweise sogar eher wegen ihrer Prestigeträchtigkeit denn ihrer tatsächlichen Leistung gekauft werden. Beispiel hierfür sind Copicmarker, die effektiv wie Guccitaschen heute oder cringige Hollisterjacken und Benchpullover im Jahr 2010 von einigen gehypet werden, so als können andere, günstigere Marken nicht dieselbe Funktion erfüllen. Sozialkritik in einem Text über Filzstifte, wer hätte es ahnen können?

Alles Paletti mit kleiner Palette

Im Endeffekt benötigt ihr gerade beim Einstieg keine überteuerten Markerprodukte… äh Markenprodukte. Wenn ihr dennoch Marker statt Filzstiften aufgrund der flexiblen Spitze ausprobieren wollt, kauft euch eine kleine Farbpalette: Rot, Gelb, Blau, Dunkelbraun, Dunkelblau und einen Verblender (einen quasi durchsichtigen Marker, um Übergänge glatt zu gestalten). Damit könnt ihr sowohl alle Farben mischen als auch die Helligkeit sowohl im warmen als auch im kalten Farbspektrum anpassen.

Ein wahres Highlight

Oder ihr probiert erst mal einfach aus, wie sich beispielsweise Textmarker, die die meisten von uns vermutlich eh im Laufe des Studiums mal erworben haben, zum Zeichnen benutzen lassen.

Kugelschreiber

Eine Zeichenübung mit einem Kugelschreiber. Man sieht einen Kugelschreiber und ein paar Schraffuren und einen Gradienten, der mit Kulli gezeichnet worden ist. Außerdem ist dort eine schattierte Birne. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Kugelschreiberschraffuren

Haben die meisten von uns zu Hause. Drückt man fest auf, entstehen kräftige, dunkle Linien. Versucht man allerdings nur sehr leichte Linien zu produzieren, lässt sich ein Kugelschreiber sehr ähnlich wie Bleistifte oder Buntstifte verwenden. Es braucht etwas Übung, bis man raus hat, wie viel Druck je nach Schraffur oder Linie gebraucht wird, aber der Vorteil ist: Anders als Bleistifte verschmieren Kugelschreiber nicht und lassen sich sehr präzise anwenden. Zudem lassen sich einfach kräftige Kontraste abbilden. Nachteil ist natürlich, dass man sie nicht radieren kann.

Aquarell- und Wasserfarbe

Ein Aquarellfarbkasten mit einer Palette zum Mischen. Der Kasten ist benutzt und einige Farben sind bereits zu großen Teilen abgenutzt. Die Näpfchen sind vage nach Farben geordnet. Der Kasten ist aus Metall und wurde offensichtlich schon häufiger zum Aquarellieren benutzt. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Ein Aquarellfarbkasten. Die einzelnen Farbcontainer nennt man Näpfchen.

Der gute, alte Wasserfarbkasten aus der Grundschule. Habt ihr den noch in einer Kiste vergraben? Dann schnappt ihn euch jetzt nach langer Zeit mal wieder. Wasserfarben und Aquarellfarben sind beide, wie der Name sagt, Farben, die wasserlöslich sind. “Das eine ist also deutsches Wasser und das andere italienisches, für das man das drölffache bezahlt? Hä? Wat solln dat jetzt?” Fast.

Under my aquarella … ella … ella

Das Wort Aquarell stammt tatsächlich aus dem italienischen “aquarella” für Wasser, allerdings hat sich die Namensdifferenzierung hierbei aus einem Grund und nicht reiner Willkür ausgebildet.

Pigmente: Der Unterschied zwischen Wasserfarbe und Aquarellfarbe

Eine Mischunterlage mit Aquarellfarbflecken. Die Aquarellfarbe hat unterschiedliche Farben unter anderem Grau, Lachsfarben und Gelb. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Aquarellfarbe und Wasserfarbe kennzeichnen sich durch Transparenz und der Möglichkeit Farben zu schichten

Um zwischen höherpigmentierten, also Farben mit einer höheren Dichte an färbenden Partikeln im Verhältnis zu beispielsweise Bindemitteln und schwach pigmentierten Farben zu unterscheiden, haben sich die Namen “Wasserfarbe” für einfachere, schwächere Farbe und “Aquarellfarbe” für intensivere Farbe etabliert. Das hängt dann oft auch nicht nur mit der Menge der Pigmente, sondern auch deren Art zusammen.

So gibt es beispielsweise synthetisch hergestellte, auf Pflanzen basierende oder aus Mineralien und Erzen gewonnene Pigmente. Je nachdem haben diese unterschiedliche Eigenschaften. Sie sind beispielsweise unterschiedlich leuchtend, lichtfest, rein oder gesättigt. Wasserfarben nutzt man meist für einfachere Pigmente; Aquarellfarben für aufwändigere.

Vorsicht Werbefalle

Allerdings ist “Aquarellfarbe” kein geschützter Begriff, dementsprechend können Firmen den Begriff willkürlich auf ihre Produkte klatschen, um sie höherwertig klingen zu lassen. Daher hilft es tatsächlich nachzulesen, was für Pigmente verwendet wurden und sich einfach im Internet etwas schlauzumachen im Vorfeld.

Mit allen Wasserfarben gewaschen
Porträtzeichnung einer weißen, männlich gelesenen Person. Der Blick ist verschmitzt und etwas ernst. Er richtet sich auf den*die Rezipient*in. Die gewählte Maltechnik ist Aquarellieren mit Aquarellfarbe und ein paar starke, schwarze Linien mit Tinte. Die ganze Zeichnung ist monochrom in Schwarz gehalten. Einstiegsmaterialien Porträtzeichnungen
Isabel Schmiedel Beispielporträt mit Aquarellfarbe und Tinte, Quelle: Isabel Schmiedel

Für den Anfang ist es jedoch zunächst egal, welche der beiden Varianten ihr nutzt. Am besten arbeitet ihr einfach mit dem, was ihr zu Hause habt. Denn mit einem normalen Wasserfarbkasten kann man die Grundlagen, wie man in Flächen und Formen denkt und Farbe Schicht um Schicht hinzufügt genauso gut lernen wie mit einem Aquarellkasten.

Zudem sind Farben oft auch mit ethischen und umweltpolitischen Fragen zum Pigmentabbau verbunden. Es lohnt sich also gerade zu Beginn, lieber mit den Ressourcen zu haushalten, die bereits zum Hausstand gehören.

Handhabung

Wasser- und Aquarellfarbe lässt sich einfach mit einem Pinsel und etwas Wasser anlösen und dann auf dem Papier verteilen. Nimmt man viel Wasser, erscheint die Farbe blasser und sanfter. Nimmt man wenig Wasser, wird die Farbe kräftig auf dem Papier dargestellt und es entstehen meist auch spitzere, härtere Formen.

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