Spielkritik: Heaven’s Vault

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Bei Heaven’s Vault (Himmelsgewölbe) handelt es sich um ein Sci-Fi Adventurespiel der Gaming Firma Inkle, welches 2019 erschien. Das Spiel besticht durch seine immersive Geschichte, das prächtige Artwork von Laura Dilloway und nicht zuletzt auch durch das interessante Gameplay.

Handlung

Im Spiel schlüpfst Du in ferner Zukunft auf einem anderen Planeten in die Rolle der Archäologin Aliya, welche durch einen Roboter names Six begleitet wird. Gemeinsam untersucht ihr die Ruinen und Städte unterschiedlicher Planeten und versucht einem rätselhaften Fall auf die Schliche zu kommen. Hierzu sammelst Du Hinweise, sprichst mit Bewohner*innen und segelst durch ferne Galaxiennebel.

Spielemechanik

Das Gameplay besteht aus vier Komponenten: Zunächst musst du in klassischer Point-and-Click-Adventure-Manier Objekte und Personen aufspüren.

Heaven’s Vault Auf dem Weg ins Unbekannte: Aliya und ihr Roboter erkunden Ruinen.

Als Zweites gilt es, Schlüsse aus den Ermittlungen zu ziehen, Vermutungen anzustellen, diese nach und nach zu belegen und natürlich: Entscheidungen zu treffen. Das Spiel kennzeichnet sich durch den nonlinearen Aufbau und besticht besonders damit, dass Du Dich als Charakter auf verschiedene Pfade begeben kannst. Wortwörtlich kannst Du die Route deines Schiffs selber planen.

Sklaverei, Armut und ethische Fragen

Doch auch die Art, wie Du Dich zu deinen Mitreisenden, den Leuten, die du triffst und den Robotern verhältst, ist Deine Entscheidung. Das Spiel wirft ethische Fragen über die Rolle des Geschlechtes in verschiedenen Kulturen und soziale Ungleichheit auf. Besonders spannend ist hierbei die facettenreiche Betrachtung des Themas Armut und Besitzverhältnisse sowie Sklaverei.

Heaven’s Vault Aliya und der Roboter Six debattieren Entscheidungen.

Auf den Spuren antiker Schriften

Als drittes Element der Spielmechanik kommt hinzu, dass Aliya als Archäologin versucht, Verständnis von einer vergangenen Schrift zu erlangen.

Heaven’s Vault Mit Liebe zum Detail: Die Dekodierungsspielemechanik in Heaven’s Vault

Doch das ist nicht leicht, denn es fehlen Informationen, auf deren Grundlage Du Vermutungen über Übersetzungen anstellen kannst. Ziel dieses Spielteiles ist, Muster in kryptischen Symbolreihen zu finden und Bedeutungskontexte anhand der Fundstellen und Objekte, auf denen die Schrift vermerkt ist, zu erschließen. Wer gerne rätselt, wird diesen Teil des Spiels lieben. Die Darstellungsweise ist hierbei mit einem Overlayeffekt sehr ästhetisch gelöst und das Interface zum Lösen dieses Spielteils ist sehr gut gemacht.

Motion Sickness, Ahoi

Der vierte Teil besteht aus einem Schifffahrtssimulator, der als Verbindungsglied zwischen den besuchbaren Planeten funktioniert. Funktionieren ist hierbei allerdings ein großes Wort, denn ganz ehrlich: In Sachen Motion Sickness, also Übelkleit induziert durch Raumbewegungen und Verschiebung der Blickpunkte, ist dieses Spiel ganz vorne.

Heaven’s Vault Aliya überquert die Flüsse der “Sternennebel”, eine ruckelige Augenweide

Innerhalb der übrigen Spielteile funktioniert die Darstellungsweise auch für Spieler*innen, denen schnell von 3-D-Grafiken flau im Magen wird, der Schiffsimulator hat es dafür leider richtig in sich. Die Kurven sind ruckelig, die Animation merkwürdig veraltetet und es wackelt sowohl auf der X- als auch der Y-Achse absurd viel.

Das ist besonders schade, da der Rest von Heaven’s Vault wirklich fesselnd und Freude bereitend ist.

Illustrationen und Design

Jenseits des soeben beschriebenen vierten Teils, sind jedoch das Design und die Illustrationen besonders hervorzuheben. Die Mischung aus 2D- und 3D-Grafiken mit aufwändigen, handwerklich sehr gut gemachten, digitalen Illustrationen lässt das Spiel strahlen. Eine runde, detailreiche Spielwelt mit vielen Überraschungen entsteht so.

Repräsentation

Heaven’s Vault glänzt auch durch die Repräsentation in der Geschichte: Es gibt diverse Charaktere mit hohem PoC-Anteil in den Hauptrollen und auch Inklusion spielt eine Rolle in der Geschichte! Zudem wird der respektvolle Umgang verschiedener Kulturen und Religionen besprochen. Abschließend spielt auch die kritische Einordnung moderner und alter Formen des Imperialismus eine wichtige Rolle. Das Spiel ist in dieser Hinsicht sehr veranschaulichend und lehrreich! Es eignet sich sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene.

Eine runde Sache

Alles in allem ist Heaven’s Vault mit Abzug bezüglich Motion Sickness also eine runde Sache. Und das nicht nur, weil es von Planeten handelt (diese wären ja eh elliptoid, aber das ist eine andere Geschichte). Ich kann es wärmstens weiter empfehlen! Heaven’s Vault ist für Windows sowie die Playstation4 erhältlich. Zudem erscheint es noch in diesem Jahr für die Nintendo Switch. Wer also Spaß an Adventure Games hat und in einem liebevoll gestalteten Science-Fiction-Universum Archäolog*in spielen möchte, dem ist das Spiel Heaven’s Vault auf jeden Fall zu empfehlen.

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